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Christine Siefer, Foto: Paul-Philipp Braun

Das Projekt

Die Idee hinter den Geschichten

Christine Siefer, Journalistin, Geschichtenerzählerin und Neu-Kolonistin seit 2020 hatte die Idee zur Seite.

(Foto: Paul-Philipp Braun)

Es gibt Momente im Leben, da spürt man eine Verbindung zu einem Ort, ohne zu wissen, warum es einen bewegt. Das erste Mal als ich in die Rote Kolonie kam, spürte ich wie mein Herz schneller zu schlagen begann. Oberflächlich gefiel mir die einheitliche Architektur, dazu die großen Bäume und die idyllische Ruhe. Doch tief in mir wusste ich, dass dieser Ort Geschichten bereit hält, die ich erfahren möchte. Hier kam alles zusammen: Die Neugier meines Journalistinnen-Daseins, meine Begeisterung für Heimatgeschichte und meine persönliche Familienhistorie. In Düsseldorf geboren, in Eitorf aufgewachsen, hatte ich zuletzt in Bonn gelebt. Doch mein Vater stammt gebürtig aus Troisdorf und mein Großvater hatte ebenfalls einige Jahre bei Mannstaedt gearbeitet, sein Vater war Fabrikobermeister bei Dynamit Nobel und selbst mein Ur-Ur-Ur-Großvater lebte in Troisdorf. Als wir in die Rote Kolonie zogen, fühlte ich förmlich den Schatten dieses Zweiges des Familienstammbaums. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten meine Vorfahren in Aggerdeich, das erfuhr ich erst bei meiner Recherche im Stadtarchiv Troisdorf. Ein Ort, der – wie sich später herausstellte – für den Bau des Mannstaedt-Werkes in Troisdorf weichen musste. Meine Ur-Großmutter und ihre Familie lebten zur gleichen Zeit in Köln-Kalk, auch noch zu der Zeit, wo in Troisdorf „Neu-Kalk“ für die Arbeiter von Mannstaedt entstand. Leider kann man sie nicht mehr fragen, ob sie Umsiedler gekannt haben. Meine Großmutter habe ich nicht mehr kennengelernt. Sie starb bereits in den 70er Jahren.

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Zauberweg, Foto: Paul-Philipp Braun

So viele Lebensgeschichten, die eng mit einem Ort verknüpft sind, verschwinden mit der Zeit, da niemand sie weiterträgt. Ich möchte, dass die Geschichten der Roten Kolonie lebendig bleiben. Nur noch wenige Menschen können von den ersten Jahren der Arbeitersiedlung berichten. Alte Dokumente und Erzählungen finden sich in vereinzelten Publikationen, Kalendern, privaten Sammlungen. Kaum einer, der mehr über die Rote Kolonie erfahren will, findet Informationen online gebündelt. Das möchte ich mit dieser Seite ändern. Doch nicht nur die Anfänge der Roten Kolonie sind berichtenswert. Über die Jahre war sie stets ein Spiegel der Gesellschaft. Gastarbeiter fanden hier eine neue Heimat, aus Werkswohnungen wurden Eigenheime und der Traum vom Haus in der Stadt mit Grün treibt heute noch Familien (wie meine) neu hierher. Gemeinsam haben wir, dass wir alle nach einem guten Leben streben. Heutzutage ist gerne von der „Work-Life-Balance“ die Rede. Lebensqualität bedeutet auch Erholung vom Alltagsstress, Gemeinschaft und Austausch. Auch wenn die Menschen damals sicherlich anderen Belastungen ausgesetzt waren und auf engerem Raum lebten, so lockte die rote Kolonie doch mit eben diesem Versprechen: Leben im Grünen, mit eigenem Garten, angenehmeren Wohnverhältnissen, einer guten Versorgungslage und einem Zugehörigkeits- und Zusammenhaltsgefühl. „Work-Life-Balance“ anno 1912 sozusagen.

(Foto: Paul-Philipp Braun)

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Diese Seite dokumentiert die Geschichten: Die der ersten Siedler und der nachfolgenden Generationen. Sie schlägt Brücken ins heute, das so von der Vergangenheit geprägt ist und erneut die Zukunft beeinflussen wird. So wie die Geschichte der roten Kolonie noch lange nicht auserzählt ist, so werden auch auf dieser Seite immer wieder aktuelle Berichte dazu kommen.

Presseberichterstattung über das Projekt

WDR Lokalzeit Bonn, Bericht über das Projekt vom 11. Oktober 2023

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Dank

Damit die Vision dieser multimedialen Dokumentation Realität werden konnte, war ich auf Unterstützung angewiesen. Ohne diese Beteiligten wäre die Umsetzung nicht möglich gewesen:

Grundsätzlich: Mein Dank gilt als Erstes den Bewohnern der roten Kolonie, die mir ihre Geschichten anvertraut, ihre privaten Archive geöffnet, meine ständigen Nachfragen ertragen und mich mit Spenden unterstützt haben.

Besonders hervorzuheben: Familie Hönscheid, Dirk Blotevogel und Thea Boy, Liza Thomaidou, Kaspar Quadt, Dieter Röhl, Rita und Rolf Scholkemper, Ursula und Ulrich Knab, Carmen Gonzalez, Kai Dederichs, Ursula und Klaus Waldow,

Finanziell: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Heimat- und Geschichtsverein Troisdorf.

Gestalterisch: Die Web-Agentur „Der Arthur“

Inhaltlich: Kollegen wie der Fotograf Paul-Philip Braun, der tolle Fotos für die Seite beigesteuert hat.
Verena Tröster und Tobias Siefer durch die tolle Vertonung der Nachrichten und Erzählungen von Peter Müller.

Mental: Meiner Familie, die mir den Freiraum gegeben hat, an der Idee festzuhalten.











Hinweis zum Urheberrecht: Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen versucht die Urheberrechte der alten Fotos zu klären. In einigen Fällen war es nicht möglich die Abgebildeten, deren Nachfahren oder den Fotografen zu ermitteln, ich habe mich hierbei an den Fristen zur Gemeinfreiheit orientiert (Siehe: Zuse Institute Berlin (ZIB, 2020: Kleine Handreichung zum Umgang mit historischen Fotos bei Online-Projekten von Paul Klimpel). Die meisten historischen Aufnahmen stammen aus der Ausstellung zum 75-jährigen Jubiläum von 1988, die mehrfach zitiert wurde u.a. in veröffentlichten Kalendern. Damals spendeten die Familien Bleifeld, Roth, Hölle, Helzer, Quadt, Kernenbach, Müller, Flor, Klotz, Petersen, Jürgens, Friedrich, Elsner, Rahmen, Berndt und Rogall die Bilder. Leider wurden dabei keine Angaben zum Urheberrecht gemacht und die Bilder den Sponsoren nicht zugeordnet. Sollte der Wunsch bestehen, ein Foto von der Seite zu entfernen, bitte ich einfach Kontakt mit mir aufzunehmen. Diese Homepage ist nicht kommerziell, ich verdiene mit ihr kein Geld. Mein Anliegen ist die Geschichten dieses Ortes zu bewahren.

Für den Fortbestand des Projektes kann hier online gespendet werden:
GO FUND ME

Quellen:

  • Rolf Hönscheid: „Die Rote Kolonie“. In: Troisdorfer Jahreshefte, Stadt Troisdorf (Hrsg.), 1979.
  • Ausstellung zum 75-jährigen Jubiläum der Roten Kolonie, Plakate mit Fotos und Texten, zusammengestellt von Familie Holzbrecher, 1988.
  • „Kennen, Sehen, Denken, Fühlen, Sprechen. 20 Jahre Arbeitskreis Ausländischer Einwohner in der Stadt Troisdorf“, Dokumentation, Stadt Troisdorf (Hrsg.), 1993.
  • Peter Haas, Resi Helzer: „Peter Müller: Episoden um einen Querkopf.“  In: Troisdorfer Jahreshefte, Stadt Troisdorf (Hrsg.), 2008.
  • „100 Johr op de Hött. 1912 – 2012: Von der Schwarzen Kolonie zum Troisdorfer Stadtteil.“ Band 18 der Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsvereins Troisdorf (Hrsg.), 2011.
  • „100 Jahre Rote Kolonie Troisdorf. 1013 – 2013. Texte zur Ausstellung und zur Geschichte der Siedlung“, zusammengestellt von Dirk Blotevogel, 2013.
  • „Gartenstadt21. Grün-Urban-Vernetzt.“ Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.), Band 1 und 2, 2017.
  • „Geschichten einer Stadt.“ Museum für Industrie und Stadtgeschichte (Hrsg.), Troisdorf, 2020.